Da bin ich jahrelange Katzenbesitzerin und habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, was für ein tolles Werkzeug mein Stubentiger mit sich herumträgt.

Das hat sich gestern geändert, als mich meine Katze scheinbar mit einer ihrer Artgenossen verwechselt hat. Nach ihrer Fellpflege wollte sie mit meiner weiter machen und hat mir mal eben heftig über die Wange geschleckt.

Haben das eure auch schon mal gemacht?

Also ich kann euch sagen – aua – das war unangenehm. Katzenzungen sind nämlich wirklich sehr rau!! Erstaunlich rau!

Aber warum ist das eigentlich so?

Ich erzähl‘s euch:

Alles was eine Katze braucht um sich hübsch zu machen, sich gleichzeitig zu entspannen und nebenbei auch noch einen kleinen Gesundheitscheck durchzuführen, ist ihre ZUNGE.

Denn die Zunge der Katze ist ein Multifunktionswerkzeug. Sie ist ein Waschlappen, der nie austrocknet, ein Kamm, der durch jede Verfilzung kommt, ein Massagegerät, das für Entspannung sorgt und auch noch eine Art Waschbürste, die jeglichen Staub und sogar Parasiten aufnimmt und entsorgt.

Ich würde sagen, das ist ziemlich cool. Aber wie? Wie geht das?

Ganz einfach – die Katzenzunge hat lauter kleine verhärtete ErhebungenHornzähnchen (man nennt sie auch Papillen- noch genauer Fadenpapillen). Befindet sich die Zunge im Mund liegen sie flach, damit der Rachen nicht gereizt oder verletzt wird. Sobald sie die Zunge hinausstrecken um sich zu putzen, zu fressen oder zu trinken, stellen sich diese Papillen auf. Diese sind einerseits sehr stabil und andererseits biegsam. Gibt es also eine verfilzte Stelle in ihrem Fell, biegen sich die Hornzähnchen in die verschiedensten Richtungen – bis das Fell wieder schön glatt ist.

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Beim Putzen werden nicht nur Haare sondern auch Staub, Hautschuppen und sogar Parasiten durch die Zunge aufgenommen, am Rachen abgestreift und geschluckt.

Dabei wird sehr viel Flüssigkeit verbraucht (in etwa genau so viel wie bei einem Toilettengang wieder ausgeschieden wird) und es baut Stress ab. Also ist es ganz wichtig, dass die Kätzchen immer genügend Flüssigkeiten zur Verfügung gestellt bekommen.

Genauer untersucht wurde die Zunge der Katzen übrigens erst, als die Hauskatze eines Forschers an einem Microfasertuch hängen blieb. Das machte den Besitzer stutzig und er schaute sich die Zunge mal genauer an. So entdeckte man die sogenannten Fadenpapillen, also diese kleinen, so nützlichen Erhebungen auf der Zunge der Katze.

Wie trinkt eine Katze?

Putzen ist natürlich nicht das Einzige, dass die Katze mit Ihrer Zunge machen kann.

Sie trinkt auch mit ihr. Aber wie trinkt eigentlich eine Katze?

Also ich wusste das auch nicht – ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, das eine meiner Katzen das Trinken wohl nie richtig gelernt hat. Sie taucht immer nur ihre Pfote ein und schleckt diese dann ab. Hmmm …

Ok, wie trinken normale Katzen?

Sie tauchen nur die Zungenspitze ein (nicht wie der Hund) und zieht diese ganz schnell wieder hoch.

Dabei entsteht eine Wassersäule, die sie dann im richtigen Moment „abbeißt“.

Klingt ziemlich cool gell? Kann man sich aber schwer vorstellen … deshalb kriegt ihr hier ein Video von mir:

https://www.youtube.com/watch?v=8M6Lb1A9IEc – Die Natur der Katze (Youtube)

https://www.focus.de/wissen/videos/superzeitlupe-katzenzungen-bezwingen-die-schwerkraft_vid_21204.html – Focus Magazin – Superzeitlupe

Die kleinen Erhebungen (Fadenpapillen) in ihrem Mund helfen dabei, dass das Wasser nicht gleich wieder aus dem Mund rinnt.

Unsere Stubentiger sind keine Naschkatzen?

Der kleinste Bereich der Zunge ist für das Schmecken da. Erstaunlicherweise Schmecken Katzen überhaupt nicht gut. Nur zum Vergleich: wir haben rund 9.000 Geschmacksknospen – eine Katze gerade einmal 500. Hättet ihr das gedacht?

Das bedeutet, ob es einer Mieze schmeckt oder nicht hat weniger mit Ihrer Zunge zu tun sondern mehr mit dem Geruch, der Temperatur (sie genießen ihr Fleisch gerne bei Zimmertemperatur und nicht frisch aus dem Kühlschrank), der Konsistenz und der Aufbereitung/Größe (anscheinend müssen es kleine Stücke sein, kein großer Fleischklumpen).

Und jetzt kommt‘s… Katzen schmecken die Geschmacksrichtung „Süß“ nicht. Sie können Bitter, Salzig und Umami (herzhaft) schmecken aber nicht Süß.

Wenn man genauer nachdenkt, ist es eh ganz klar – eine Wildkatze ernährt sich vor allem von Mäusen und anderen Säugern. Manchmal schmeckt auch ein Vogel ganz gut, manchmal muss eine Eidechse herhalten. Was alle gemeinsam haben – sie sind nicht süß.

Was ich mich dann nur gefragt habe: Warum ist dann in Katzenfutter Zucker enthalten, wenn Zucker für Katzen nur wie Pappe – also gar nicht – schmeckt?

Nach längerem Googeln habe ich herausgefunden, dass die Tierfutterindustrie, ähnlich wie die Nahrungsmittelindustrie den Zucker als Suchtmittel verwendet – dass also unsere Stubentiger immer mehr und mehr von einem bestimmten Futter wollen.

Aus der Sicht der Tierfutterindustrie scheint es logisch – sie wollen immerhin ihr Produkt vertreiben, aber unserem Hauskätzchen tut das, denke ich nicht unbedingt sehr gut.

Was ihnen aber immer gut tut, ist Stunden (durchschnittlich 3,5h am Tag) mit der Fellpflege zu verbringen. Es entspannt sie. Da ist es doch nur ein Zeichen der Liebe wenn sie beim Besitzer mit der Fellpfelge weiter machen wollen. Also, auch wenn die Zunge nicht sehr angenehm ist … hin und wieder kann man das schon zulassen, denke ich. 🙂

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6 Kommentare zu „Die Katzenzunge – ein fleischliebendes Multifunktionswerkzeug

  1. wirklich toller Beitrag. Das mit dem Süss wusste ich auch nicht. Unsere Katzendame fährt so auf Kuchen ab – der Kater nicht so.
    Und sie mag es auch mir ab und zu, beim Schlafen über die Augenlider zu lecken….Sehr angenehm. 😀

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      1. Ja – das meinen sie – deswegen ist man ja auch immer ganz vorsichtig, wenn man sie dann mal wegschiebt. Man entschuldigt sich sogar. hihihi

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